29/01/2017 ZWEITE RUNDE TBS

Das neue Jahr am Toronto Baptist Seminary (TBS) begann für mich mit einem 4-tägigen Intensiv-Kurs zum Thema "Theological Ethics", bei dem Katja auch an einem Tag dabei war. Seit Mitte Januar läuft der Vorlesungsbetrieb wieder ganz regulär. Dienstagabends besuche ich "Neues Testament (Überblick)" und donnerstagnachmittags "Systematik Grundlagen". Mein Status ist immernoch Gasthörer, was ich sehr genieße, auch wenn ich mich inzwischen bei TBS schon fast wie zu Hause fühle!

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im TBS Hörsaal

Gottes Geschichte - meine Geschichte

Was mich beim Studieren vor allem begeistert ist, dass ich lerne die Bibel mehr im Zusammenhang zu lesen und als Ganzheit zu sehen. Ich staune über Gottes leidenschaftlichen Wunsch mit dem Menschen in Beziehung leben zu wollen, wie er sich schrittweise offenbart hat und er uns Einblick in seinen Heilsplan gegeben hat. Ich glaube, dass wir oftmals dazu tendieren uns und unsere eigene Geschichte überzubewerten. Dabei ist Gottes Handeln das alles Entscheidende: Seine wunderbare Schöpfung, Sein rettendes Eingreifen in der Geschichte Israels und schließlich das Menschwerden, Sterben und Auferstehen des Retters Jesus Christus. Wenn wir uns das bewusst gemacht haben und anfangen zu glauben, dann wird so manches in unserem Denken und Leben ins rechte Licht gerückt.
Und obwohl Gott die gesamte Weltgeschichte überblickt und die großen Zusammenhänge kennt, handelt er doch immer auch am einzelnen Menschen. Als Christen vertrauen wir voll und ganz auf das biblische Zeugnis, gleichzeitig haben wir aber auch unsere eigene persönliche Geschichte mit Gott, die unseren Glauben lebendig macht. Wir halten an dem uns überlieferten Evangelium von Jesus Christus fest, und wir staunen darüber, wie ER auch uns persönlich begegnet ist, er uns seine Güte und Liebe gezeigt hat, er uns durch schwere Zeiten getragen hat, ja, er etwas ganz Neues in uns angefangen hat!
So haben wir zwei Geschichten zu erzählen! Gottes Geschichte mit der Welt und Gottes Geschichte mit uns persönlich! Und beides hängt miteinander zusammen! Soli Deo Gloria!

Vernunft und Rationalismus

Bei theologischen und ethischen Fragen stellt sich in unserer postmodernen Zeit natürlich mehr denn je die Frage, wie man überhaupt zu gültigen, geschweige denn allgemeingültigen Aussagen kommt. Es geht eigentlich darum, ob ich die letzte Autorität über das was wahr und gut ist dem Menschen (also mir und/oder noch schlaueren Menschen als ich) oder Gott und seinem Wort zuordne. Jesus Christus gibt der Schrift und sich selbst diesen maßgebenden Stellenwert. Denn, wenn Gott nicht die Norm ist, an der wir uns orientieren, dann ist es automatisch etwas anderes, z.B. ein rein naturalistisches Weltbild, eine Religion/Ideologie, mein Subjektivismus/Relativismus etc. oder eine Mischung davon.

Gott hat die Naturgesetze erfunden und uns als vernunftbegabte Menschen geschaffen. Da kann man ihm schon etwas Vernunft unterschieben. Deshalb ist es vernünftig Gott als entscheidende Autorität anzuerkennen. Menschen sind endliche, nicht allwissende und nicht allmächtige Wesen und werden es auch bleiben. Das anzuerkennen ist auch vernünftig. Der Rationalismus (der Glaube, dass der menschliche Verstand die letzte und höchste Autorität ist) hat somit seine natürliche Grenze. Es ist wiederum auch nicht vernünftig sich auf ein x-beliebiges Heilsversprechen von irgendeinem Guru einzulassen. Woran ich mich orientiere, das will schon gut überlegt sein und es soll mich nicht auf einen Holzweg führen. Vernünftiges Denken ist hier sehr wohl angesagt und nötig. Gleichzeitig will ich mich mit einem rationalistisch geprägten Verstand aber auch nicht selber begrenzen!

Letztlich ist es eine Frage des Vertrauens, ob ich nur bei mir und den menschlichen Möglichkeiten bleibe oder ob ich auf Gott setze und damit auf eine Dimension, die den menschlichen Verstand zwar mit einschließt, aber auch übersteigt. Am Ende des Tages gewinnt doch die Frage nach dem, was wirklich trägt an Gewicht und damit auch die Frage nach dem, was wirklich stimmt.

Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Joh. 14,6)

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